Janne Marie Dauer – Artist in Residence
Im Rahmen ihres Residency-Aufenthalts im Atelierhaus Salzamt hat Janne Marie Dauer an zwei Projekten gearbeitet. Für die Communale 2026 beschäftigte sie sich mit der Instrumentalisierung des oberösterreichischen Bauernaufstandes 1626 durch völkische und nationalsozialistische Gruppierungen. Dazu recherchierte sie in Archiven und Bibliotheken, traf sich mit einem Historiker und besuchte Gedenkstätten und lokale Museen.
Dadurch ist ein Comic-Essay über die symbolisch aufgeladene Figur des Bauernführers Stefan Fadinger entstanden. Sie geht dabei der Frage nach, wie die Erinnerung an die Aufständischen im 20. Jahrhundert politisch missbraucht wurde. Der Comic ist Essay, Notiz und Fragment zugleich geworden.

Foto: Mika Springer
Parallel dazu entstand eine freie Malereiserie über den Linzer Stadtteil “Neue Welt”. Ihre künstlerischen Visionen verwandelte sie in großformatige Malereien auf Papier mit loser Panel-Struktur. Dabei wird die Stadtlandschaft zum Protagonisten – Sie denkt über sich selbst nach. Stadtansichten, Straßenzüge und Orte erscheinen in Denkblasen, als würde der Stadtraum selbst sprechen, in die Zukunft denken, erinnern, zweifeln oder träumen. Die Serie verbindet malerische Mittel mit dem erzählerischen Vokabular des Comics und fragt, wie Orte Bedeutung tragen und weitergeben.
So versteht die Künstlerin ihre Kunst
Sowohl meine Comics als auch die Malereien erkunden narrative Mehrdeutigkeit. In meiner persönlichen Arbeit befasse ich mich dabei mit der Surrealität des Alltags. Ich lasse Objekte oder auch ganze Orte als Figuren lebendig werden. Bilder suggerieren eine Geschichte, die außerhalb des Rahmens weitergeht. Was mich an Malerei als auch am Comic fasziniert, ist außerdem die Wiedergabe von dynamischen Erfahrungen und Bewegungen in einem stillstehenden Medium. Der Airbrush, den ich öfters als Technik einsetze, lenkt den Blick zusätzlich und spielt mit Kontrasten. Vordergründige Elemente verschwimmen wie Träume und Erinnerungen. Das vermeintlich Nebensächliche spielt sich in den Vordergrund und eröffnet neue Möglichkeiten des Betrachtens, ein aktiver Prozess der Ungewissheit und des Sich-Bewegens.
Fotos: Janne Marie Dauer
English Version:
As part of her residency at Atelierhaus Salzamt, Janne Marie Dauer worked on two projects. For Communale 2026, she explored how the Upper Austrian Peasants’ Revolt of 1626 was instrumentalized by nationalist and National Socialist groups. Her research took her to archives and libraries, meetings with a historian, as well as visits to memorial sites and local museums.
This process resulted in a comic essay centered on the symbolically charged figure of the peasant leader Stefan Fadinger. In it, she examines how the memory of the insurgents was politically exploited in the 20th century. The comic itself became a blend of essay, notes, and fragments.
In parallel, she created a free painting series focused on the Linz district “Neue Welt.” She transformed her artistic visions into large-scale works on paper with a loose panel structure. Here, the urban landscape becomes the protagonist—reflecting upon itself. Cityscapes, streets, and places appear in thought bubbles, as if the city itself were speaking, imagining the future, remembering, doubting, or dreaming. The series merges painterly techniques with the narrative vocabulary of comics, asking how places carry and transmit meaning.
This is how the artist interprets her own work
Both my comics and paintings explore narrative ambiguity. In my personal work, I deal with the surreality of everyday life. I let objects or even entire places come alive as characters. Images suggest a story that continues beyond the frame. What fascinates me about both painting and comics is the depiction of dynamic experiences and movement within a static medium. The airbrush, which I often use, further directs the gaze and plays with contrasts. Foreground elements blur like dreams and memories. What seems incidental moves into the foreground, opening up new ways of seeing—an active process of uncertainty and movement.

