Lena Schabus – Artist in Residence

Während ihrer Zeit als Artist in Residence in Linz erkundete Lena Schabus die Stadt mit der Kamera, mit einem besonderen Fokus auf Architektur, Industriekultur und die Verdichtung urbanen Lebens. Insbesondere die Stahlproduktion der voestalpine AG war dabei ein spannendes Motivfeld.

Foto: Hope Morgan


Ihre Faszination für surreale, oft dystopisch anmutende Zukunftsszenarien spiegelt sich in Motiven wie Industrieanlagen, Straßenzügen, Plattenbauten und Hochhäusern wider, die sie zunächst akribisch fotografisch aufnimmt, um sie anschließend in der Postproduktion zu verfremden, zu verdichten und zu überzeichnen. Auf diese Weise entstehen glaubhafte Abbildungen des jeweiligen Environments, die jedoch durch gezielte Störungen und Logikbrüche den Blick der Rezipient:innen schärfen und zur Reflexion anregen.

Mit digitaler Bildverfremdung werden Orte verdichtet. So entstehen Bilder, die der erlebten Realität näherkommen als das reine fotografische Abbild – Eindrücke, die in einer einzelnen Fotografie nicht vollständig darstellbar wären.

So versteht die Künstlerin ihre Kunst

In meinen Bildcomposings versuche ich, eine subjektiv empfundene Realität sichtbar zu machen. Oft lässt sich die Atmosphäre eines Ortes, der Eindruck oder die Stimmung eines Moments nicht in einer einzelnen Fotografie festhalten. Durch Bildmanipulation und die Verdichtung verschiedener Elemente entwickle ich Bilder, die weniger eine dokumentarische Abbildung als vielmehr eine Übersetzung meiner Wahrnehmung sind. Die Composings sollen den Eindruck bewahren, den ein Ort auf mich ausgeübt hat, und ihn in einer Form sichtbar machen, die über die Möglichkeiten der Kamera hinausgeht.

Die Arbeit mit Fassaden ist ein fortlaufendes Projekt, das ich in allen Städten verfolge, mit denen ich mich über längere Zeit intensiv auseinandersetze. Dabei interessiert mich die Entwicklung einer Art Topologie urbaner Architektur.

Durch die Fragmentierung und Neuordnung von Fassaden entstehen Ansichten, die die oft verborgenen Strukturen einer Stadt offenlegen. Besonders spannend ist für mich die Untersuchung unterschiedlicher Baustile, architektonischer Sprachen und der Atmosphären, die sie erzeugen. Die Arbeiten bewegen sich dabei zwischen Dokumentation und Rekonstruktion und fragen danach, wie sich urbane Räume wahrnehmen, lesen und neu zusammensetzen lassen.


English version:

During her time as Artist in Residence in Linz, Lena Schabus explored the city with her camera, focusing especially on architecture, industrial culture, and the density of urban life. The steel production facilities of voestalpine AG, in particular, provided a fascinating field of motifs.

Her fascination with surreal, often dystopian visions of the future is reflected in her choice of subjects: industrial plants, streetscapes, prefabricated buildings, and high-rises. She first photographs these scenes meticulously, then transforms, condenses, and exaggerates them in post-production. In this way, she creates convincing depictions of each environment that, through deliberate disruptions and breaks in logic, sharpen the viewer’s perception and invite reflection.

Through digital image manipulation, places are condensed. The resulting images come closer to the experienced reality than a purely photographic representation could—impressions that a single photograph would not be able to fully convey.

How the artist interprets her own work

In my image compositions, I try to make a subjectively perceived reality visible. Often, the atmosphere of a place, the impression or mood of a moment, cannot be captured in a single photograph. By manipulating images and condensing various elements, I create pictures that are less documentary representations and more translations of my perception. The compositions are meant to preserve the impression a place has made on me and to make it visible in a form that goes beyond the possibilities of the camera.

Working with facades is an ongoing project that I pursue in every city with which I engage deeply over a longer period. I am particularly interested in developing a kind of topology of urban architecture.

By fragmenting and rearranging facades, I create views that reveal the often hidden structures of a city. What fascinates me most is examining different architectural styles, languages, and the atmospheres they generate. My works move between documentation and reconstruction, questioning how urban spaces can be perceived, read, and reassembled.