Sven Bergelt – Artist in Residence – über seine Pläne für die Zeit der Residency

Recherchefotos Neues Rathaus Linz, Sven Bergelt

 

…Projektidee und künstlerische Intention…

In Linz gibt es herausragende Architekturen der 1960er bis 80er Jahre, die die Stadt bis heute prägen. Oftmals werden diese damals visionären Architekturen aus heutiger Sicht als missraten empfunden. Auch wenn diese gerade nicht dem Zeitgeist entsprechen, haben sie das Stadtbild und die Menschen geprägt. Mich interessiert wie man mit dem architektonischen Erbe der 1960-80er Jahre in Linz umgeht. Beispielhaft dafür steht z.B. das Neue Rathaus. Die Architektur erscheint mir aus heutiger Sicht Festungsartig, wie ein labyrinthartiges Bollwerk. Gleichzeitig schmiegt es sich dennoch, durch die vielen Begrünungen in die Umgebung und das hügelige Umland ein. Als öffentlicher Ort, der für alle Menschen Anlaufpunkt sein sollte, zeigt er sich eher abgrenzend und bürokratisch.

Ich beschäftige mich oftmals mit Architektur, Stadtplanung und wie diese Auswirkung auf das Leben und die Gesellschaft nehmen. Dabei arbeite ich zumeist ortsspezifisch. Gebaute Kultur, die oftmals dafür angelegt ist Generationen, zu überdauern, verändert sich mit der Zeit in der Wahrnehmung, mit den Moden und den Funktionalitätsansprüchen, gleichzeitig sind in dem Architekturerbe aber auch gesellschaftliche Haltungen eingeschrieben und wirken weiter. Die Architekturepoche der 1960-80er Jahre erlebe ich zur Zeit als ambivalent. Einerseits gehuldigt, andererseits diskreditiert. Ich möchte mit meinen Arbeiten, keine Wertung vornehmen, sondern ein Bewusstsein schaffen, dass Architekturen teil unserer gesellschaftlichen Prägung und Ausdruck von gesellschaftlichen Vorstellungen sind.

 

…Sven Bergelts Pläne für die Zeit der Residency…

Meine Arbeitsweise ist zumeist eine Auseinandersetzung mit räumlichen und architektonischen Begebenheiten. Wenn ich in einer Stadt neu ankomme, bringe ich Erwartungen und Vorstellung mit. Meist beruhen diese aber zunächst einmal auf rudimentären Recherchen. Vor Ort gilt es für mich die Stadt zu erfahren, Eindrücke zu sammeln und historische Zusammenhänge kennenzulernen. Natürlich gibt es Interessen, die mich leiten, aber erst einmal ist es wichtig eine Offenheit „auszuhalten“, die Vorstellungen und Recherchen mit der Realität abzugleichen und zuzulassen, dass sich die eigenen Ideen und Vorstellungen verändern und/oder konkretisieren. Insofern bin ich in einem offenen Prozess.

 

…erster Blick auf Linz…

Neben den vielen Bauten der Nachkriegsmoderne, die ja zu ihrer Zeit einen Aufbruch in eine neue Zeit symbolisierten, gibt es in Linz auf kleinem Raum auch viel zeitgenössische Architektur zu sehen, die vermutlich in den letzten 10 – 15 Jahren entstanden ist. Insofern erlebe ich die Stadt in einem progressivem Umgang mit ihrem gebauten Erbe. Es erscheint mir so, dass eine Lust und keine Angst vor Neuem da ist. Hierzu passt für mich auch der Slogan „Linz verändert“. Sich das verändernde auf die Fahnen zu schreiben, ist nicht selbstverständlich, da Menschen oftmals vor Veränderungen zurückschrecken. Gleichzeitig liegt für mich in dem Wort „verändert“ auch etwas passives und wird vielleicht einer Teilhabekultur nicht mehr gerecht.