Fragen auf Antworten liefern, das macht Jennifer Mattes in ihren Videoarbeiten


Metafictions – Atelierhaus Salzamt

 

24.4.-10.5. Eröffnung Mittwoch, 24.4., 19 Uhr
mit den KünstlerInnen Katharina Zimmerhackl, Noële Oly, Jennifer Mattes, Matthias Lindtner
kuratiert von Marie-Andrée Pellerin und Clemens Mairhofer


F
ragen auf Antworten liefern
Die Arbeiten von Jennifer Mattes kreisen um große Räume, zeigen weite Dimensionen in Ausschnitten, Meer, Stadtlandschaften, das weitverzweigte Innere von Gebäuden. Thematisiert werden u.a. der Verfall nach der Nutzung, verlassene, leere Räume. Der Mensch bewegt sich in diesen Räumen, ist Teil davon, aber nicht so sehr als Individuum, sondern als Teil eines Kollektivs. Diese Kollektivität wird auch geschaffen durch die Integration von Youtubeausschnitten. Sie verfremdet, zeigt ungewöhnliche Blickwinkel und Einblicke. aus Videofragmenten und Bruchstücken entsteht ein neues Ganzes. Im Zentrum stehen Fragen und Themen, die das menschliche Dasein betreffen, umgesetzt in humorvoller, oft kurioser Weise.
Wichtig ist ihr ein Zusammenspiel aus Gesellschaftskritik, Politik, Humor und sonderbaren Blickwinkeln darauf. Sie finden sich oft in Stimmungsbildern, die in ihrer Bedeutung stets in einer unterschiedlichen Interpretation, einer “Sehnsucht” verortetet sind, wieder. Ein Spezialgebiet von ihr ist die Beschäftigung mit dem menschlichen Scheitern.


Jennifer Mattes im Interview (Teil 1)

Zur Faszination der Video-/Filmarbeit

Für mich war es keine Entscheidung, Aufgrund des Mediums, ich bin mehr oder weniger durch mein vorausgegangenes Studium damit in Berührung gekommen und habe völlig naiv, damit angefangen zu experimentieren. Jedes Bild, das bei Video oder Film entsteht ist eine Deklination vieler unterschiedlicher Parameter und sehr komplex und manchmal auch sehr zufällig, das mag ich an Video. Das man einen kleinen Ausschnitt aus einem Universum definiert und durch die Art und Weise, wie er gemacht ist, ihn zu einem völlig anderen Bedeutungszusammenhang zuordnet der anders vielleicht unsichtbar geblieben wäre. Die Arbeit mit Text und Sound ist für mich genauso wichtig, wie das Bild. Da ich alles in meinen Videos mehr oder weniger alleine mache, experimentiere ich zum heutigen Zeitpunkt noch immer und das soll auch so bleiben. Ich bin am allerstrengsten mit meiner eigenen Arbeit und finde sie je nachdem wie ich mich gerade fühle, dann auch mal so richtig unerträglich und manchmal finden sich sofort Fragmente und dann suche ich nach deren Verbindungen zueinander. Meine Arbeiten sind wie gewebte Teppiche aus Bild und Sound. Sie sind pathetisch und oft bunt und laut und komisch und eigentlich wahnsinnig traurig und düster. Ich bin eine Neoromantikerin, ein Poet und ein liebhaber von Klischees. Ich suche immer. Wenn ich dann eine Arbeit fertig habe, dann suche ich woanders weiter. Das Ankommen ist immer schön, aber auch ein bisschen traurig.

an der schnittstelle von film, video und internet bewegt sich eine arbeit stets auch in virtuellen wie realen räumen, die ich reinszeniere, wobei deren ursprüngliche bedeutung oder die handschrift eines anderen autors (bei youtube found footage) immer auch eingeschrieben bzw. erhalten bleibt. eine art rekontextualisierung beschreibt das verfahren aus konsumieren und gleichzeitig produzieren, was wiederum als sogenanntes “prosuming” bezeichnet wird ( trifft z.b. auf die found footage arbeit, die teil der installation im salzamt ist, zu)

Wozu würde sie Linz inspirieren oder hat sie inspiriert?

Ich liebe die leeren Parkplätze an den Supermärkten in industrienähe, wenn diese geschlossen haben und natürlich die Container, die überall herumstehen. Ich finde Orte, die Abseits von der schönen Seite da sind, spannend. Eine Mall, wo man am Freitag Abend, wenn alle Geschäfte geschlossen haben, seinen Rotwein beim Italiener trinkt. Das find ich toll. Weil es so Gegensätze sind. Ich mag den Fluß sehr und die Schiffe. Das macht immer das Gefühl mit der Sehnsucht und der Weite und damit, dass alles in Bewegung ist und dort hinfährt oder wegfährt.

Teil 2 folgt…